Außenansicht
Geschichte der Stadtpfarrkirche Seßlach
Seßlach ist ein romantischen Landstädtchen mit einem vollkommen erhaltenen mittelalterlichem Befestigungsring mit drei Toren. Die Pfarrei geht bis auf die Gründung des Ortes zurück. 837 wurde der Cent Seßlach an das Kloster Fulda geschenkt, später unterstand es dem Hochstift Würzburg. 1553-73 wurde Seßlach an die Herren v. Lichtenstein verpfändet, 1631-34 war es mit dem Hochstift unter schwedischer Herrschaft, 1802 gehörte es zu Kurbaiern, 1806 zum Großherzogtum Würzburg, 1810 wurde es dem Königreich Bayern einverleibt.
Der Kirchenpatron der Pfarrkirche Seßlach ist Johannes der Täufer. Dieses Patronat war in vielen frühchristlichen Kirchen zu finden. Dies berechtigt zur Annahme, dass Seßlach zu einer der frühesten Pfarreien in der weiteren Umgebung gezählt werden darf, zu den genannten Urpfarreien. Ihre Nachbarpfarreien waren damals Pfarrweisach, Altenbanz und Ummerstadt.
Das unterste Turmgeschoss gehört im Kern zu einer kleinen einschiffigen Chorturmkirche, die wahrscheinlich im späten 13. Jahrhundert gebaut wurde. Später wurde ein nach Westen und Norden Langhaus eingefügt. In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde dieses erneut nach Norden erweitert und zur dreischiffigen, dachgedeckten Staffelhalle ausgebaut. Dabei wurden in der südlichen Langhausmauer und den einbezogenen älteren Teilen der Westwand Fenster erweitert und das ehemalige Haupttor vermauert. In der nördlichen Richtung wurde kurz danach ein mit Strebepfeilern versehener Chor angefügt.
Unter dem bedeutenden Pfarrer Hermann Flender, an den heute noch die Flenderstraße und das Altenheim der Flender‘schen Spitalstiftung erinnern, wurde 1694 das nördliche Westportal eingefügt. 1696 leitete Flender die Barockisierung der Inneneinrichtung mit der Anschaffung von drei Altären und der Kanzel ein. Von 1756 bis ins 19. Jahrhundert schloss sich unter Einziehen eines Lattengewölbes die Stukkierung und Freskierung sowie die Einfügung zweier Hängekuppeln im östlichen Joch der Seitenschiffe an. Der achtseitige Turmhelm trägt die Jahreszahl 1759.
Dem auswärtigen Besucher des Kleinodes des Coburger Landes öffnet sich der Blick auf die Stadtpfarrkirche schon weit vor den Stadttoren. Zwischen dem Marktplatz und dem Hattersdorfer Tor im nördlichen Teil der Altstadt stößt er auf das imposante Gotteshaus, dessen fast quadratischen Langhaus mit einer Länge von 22 Metern, einer Breite von 20 Metern und einer Höhe von 12,5 Metern hervorragend ins Stadtbild passt. Strebepfeiler rings um die Kirche, unverputzte Sandsteinquader, das abgewalmte Chordach und das einheitliche Satteldach über dem Langhaus zeugen von dezenter Eleganz. Die fast durchwegs dreibahnigen Spitzbogenfenster bestechen durch originales Maßwerk aus dem 15. Jahrhundert mit genasten Fischblasen und Rosettenfor-men. Im nördlichen Winkel zwischen Chor und Langhaus finden sich Spuren eines gewölbten Anbaus, der vermutlich im 19. Jahrhundert abgebrochen wurde. Er diente früher als Beinhaus.
Die Orgel ist im Neurenaissancestil 1890 eingebaut worden. Das Deckengemälde ist um 1760 gefertigt worden. Weitere Daten: Linker Kreuzaltar um 1470, Neugotischer Madonna 1515, Hochaltar 1893, Rechter Engelmessaltar um 1500. Der Kirchturm ist 65 Meter hoch. Zur 1200-Jahr-Feier der Stadt Seßlach im Jahr 2000 präsentiert sich die Stadtpfarrkirche in neuem Glanz. Das Gotteshaus in der Altstadt, das von der Bayerischen Landesstiftung als "Baudenkmal mit hochrangiger Bedeutung" eingestuft wird, ist umfassend saniert worden.