Einführung
„Unser Gehen ist ein Auswandern aus dieser Welt und ein Hinwandern zu Gott, unserer wahren und letzten Heimat.“
Jeder, der sich mehr oder weniger regelmäßig auf Wallfahrerwegen begibt, weiß, was Anselm Grün meint. Es ist ein wunderbares Gefühl, alleine mit guten Freunden oder im Rahmen einer großen Wallfahrt sich auf diesen Weg zu begeben und beim Wandern die wunderbare Welt der Schöpfung Gottes in der freien Natur zu erfahren und letztlich somit Heimat.
Auswandern aus dieser Welt heißt ausbrechen aus unserer täglichen Hektik des Alltags ein Stück Ruhe finden, Einkehr halten, sich in großer Dankbarkeit Gott nähern. Nein, wir brauchen keine besonderen Wege, um Gott näher zu kommen. Aber diese Wallfahrerwege, die wir durch unsere 20 Skulpturen besonders aufgewertet haben, waren seit dem 15. Jahrhundert bis heute Wege nach Vierzehnheiligen, dem bekanntesten Wallfahrtsort in der weiten Umgebung, um den Schutz der vierzehn Nothelfer zu erbitten.
Diese Wege verbinden die drei Landkreise Hassberge und Coburg mit Lichtenfels. Sie binden 6 Städte und Gemeinden, nämlich Untermerzbach, Itzgrund, Seßlach, Großheirath, Lichtenfels und Bad Staffelstein. Diese Wallfahrerwege sind überregional bedeutsame Wege von Königshofen in Unterfranken und dem Südwesten Thüringens an das Obermaingebiet und sind somit Zuwege zum internationalen Jakobsweg, der bis nach Spanien führt.
Pilgerwege sind Glaubenswege. Ein starker fester Glaube war notwenig dieses ambitionierte Projekt zu verwirklichen. Die Vorbereitung hat zeitweise an die Leiden der Wallfahrt erinnert. Die inhaltliche und theologische Abstimmung mit so vielen Beteiligten war nicht ganz einfach. Deshalb wurden wir auch belohnt durch großzügige Fördermittel der Europäischen Union, des Freistaates Bayern aus dem Fördertopf „Leader“ und der Oberfrankenstiftung. Letztlich war diese großzügige Unterstützung der Schlüssel um das Wunschprojekt für die Städte und Gemeinden der Region abwickeln zu können, die finanziell derzeitig arg gebeutelt sind.
Pilgerwege sind Glaubenswege. Das Hinwandern zu Gott wird von den Wanderern unterschiedlich empfunden. Die Empfindungen von 20 Künstlerinnen und Künstlern aus 7 Ländern Europas in Einklang zu bringen mit den theologischen und geistlichen Wünschen, war nur möglich weil ein starker Glaube an das Gelingen des Projektes das gemeinsame Fundament war. Wir alle wollten fest, dass das Projekt gelingt.
Ich habe deshalb heute als Vorsitzender der Initiative Rodachtal allen am Projekt beteiligten Behörden, Künstlern, Stadt- und Gemeinderäten und Bürgermeistern zu danken, für diesen gemeinsamen Willen der Umsetzung. Besonders namentlich danken darf ich dem künstlerischen Leiter, den Seßlacher Holzbildhauer Wolfgang Schott, dem federführenden Regionalmanager Frank Neumann und Leader-Manager Michael Hofmann für den Weg, den sie uns für die Aufnahme in das Förderprogramm geebnet haben. Theologische und geistliche Unterstützung erfuhren wir durch Pater Benedikt Grimm, dem Vorgänger Pater Heribert Arens und Stefan Fleischmann, dem Stadtpfarrer von Seßlach.
Die 20 Skulpturen am Wegesrand sind geeignet, die Besonderheiten einer Wallfahrt noch deutlicher sich zu verinnerlichen. Die Hoffnungen, auch die Ängste, die Belastung durch Hitze, Kälte und Regen, das Miteinander in der Wallfahrt, das gegenseitige Helfen und Unterstützen, auch das stille Alleinsein mit der Natur, das Loslassen vom Alltag, Ruhe, Rasten, Durchatmen, Gesang und Musik finden sich in den Skulpturen wieder. Die Figuren werden durch theologische Texte ergänzt und erklärt. Die künstlerische Umsetzung finde ich nicht nur gelungen, sondern faszinierend.
Das Projekt „Ausbau der Wallfahrerwege von Seßlach/Untermerzbach nach Vierzehnheiligen als Skulpturenwege“ soll als touristisches Projekt dienen. Diese Skulpturenwege führen nach Vierzehnheiligen. Sie sind aber auch bestens geeignet in jedem Ort am Wallfahrerweg z. B. von Seßlach nach Vierzehnheiligen dann weiter nach Untermerzbach und über einen bereits seit Jahren vorhandenen weiteren Skulpturenweg, dem fränkischen Bibelweg, wieder zurück nach Seßlach zu laufen.
Auf 47 Kilometern laden 32 Skulpturen herzlich ein, inne zu halten. Die beiden Pilgerwege, die wir heute durch die Skulpturen aufwerten sind auch ein Beitrag zur Stärkung der regionalen Identität im Coburger Land, der Region Obermain und Hassberge. Wallfahrten haben eine lange Tradition in der Kooperationsregion und mit der Gestaltung dieser Pilgerwege soll dies stark in das Bewusstsein der Bewohner gerückt werden.
Die Skulptur von Michael Steigerwald steht für Ankommen am Ende eines Weges. Sie steht für Dankbarkeit und Solidarität. Wir sind heute bei einer kurzen Wallfahrt an dieser letzten Skulptur vor Vierzehnheiligen angekommen. Ich erinnere mich sehr dankbar für die große Solidarität aller, die an diesem Weg letztendlich beteiligt waren, um das zu schaffen, was wir heute einweihen.
Pfarrer Stefan Fleischmann hat seine Osterpredigt beendet mit „Christus ist vom Tod auferstanden. Ja, er ist wirklich auferstanden. Glauben wir, so leben wir.“ In Anlehnung an seine Osterwünsche wünsche ich allen, die auf diesen Pilgerwegen gehen, dass Gott die Herzen der Wanderer an allen Tagen zu sich emporzieht,
damit sie durch die Ränder unseres Alltags hindurchbrechen und Abstand gewinnen von der Hektik des Lebens
damit sie als Suchende unter all den Schönheiten, die uns diese herrlich umgebende Natur bietet, auch seine Herrlichkeit sehen,
damit sie den Lebenssinn im Lichte der Sonne oder im Schatten eines Regentages begreifen,
damit wir alle auf dem Weg bleiben – unserem ewigen Ostern entgegen.
Pilgerwege sind Glaubenswege – ich glaube fest daran, dass wir heute ein gutes Projekt abschließen können.
(Ein Auszug aus der Rede des Herrn Bürgemeisters Hendrik Dressel - 1. Vors. der Initiative Rodachtal - zur Eröffnung des Pilgerweges am Samstag, 07.05.2011)